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Berufsbetreuer Ausbildung

Eine staatlich anerkannte Berufsbetreuer Ausbildung gibt es nicht - dennoch werden meist Nachweise über die Absolvierung von Fachlehrgängen im Betreuungsrecht gefordert.

Keine staatliche Ausbildung

Die Einrichtung einer verbindlichen und staatlich anerkannten Ausbildung zum Berufsbetreuer wurde immer wieder diskutiert. Vorgeschlagen wurde ein Studiengang „gesetzlicher Betreuer“  im Rahmen eines Fachhochschulstudiums oder als Zusatz Modul für Sozialpädagogen. Die Befürworter begründen eine solche Berufsbetreuer Ausbildung mit dem großen Verantwortungsbereich und der immensen Fachkenntnisse im rechtlichen und psychologisch-psychiatrischen Bereich, die mit der Führung von Betreuungen verbunden sind.

Der Gesetzgeber hat sich jedoch dafür entschieden, dass Berufsbetreuungen jeder führen kann, der hierzu geeignet ist  (§ 1897 Abs. 1 BGB). Im Zusammenhang mit der letzten größeren Reform zum Betreuungsrecht im Jahr 2005 hat sich die Bund-Länder-Kommission ausführlich dazu in ihrem Bericht geäußert. Die Kommission stellt fest, dass sich die bisherige Praxis, wonach grundsätzlich alle Berufsgruppen Zugang zur Ausübung von gesetzlichen Betreuungen haben, sich bewährt hat. Gleichwohl seien zur Führung von Berufsbetreuungen Fachkenntnisse unbedingt erforderlich. Das notwendige Fachwissen soll sich jeder angehende Berufsbetreuer in eigener Verantwortung aneignen. An dieser Praxis wird sich voraussichtlich auch in den nächsten Jahren nichts ändern.

Nachweis über Fachkenntnisse nötig

Zwischenzeitlich verlangen jedoch fast alle Betreuungsbehörden und Betreuungsgerichte Nachweise bezüglich der Absolvierung von Fachlehrgängen im Betreuungsrecht. Manche Betreuungsbehörden und Betreuungsgerichte haben auch förmliche Verfahren in ihrem Zuständigkeitsbereich entwickelt. Die meisten Behörden führen Bewerbungsgespräche durch, um zu prüfen, ob der Bewerber nicht nur fachlich, sondern auch persönlich zur Übernahme von Betreuungsfällen geeignet ist.

Teilnehmer der Lehrgänge im Betreuungsrecht des Weinsberger Forums berichteten, dass im Bewerbungsgespräch typische Fallkonstellationen im Betreuungsrecht geschildert wurden.
Zum Beispiel: Frau K. ist 85 Jahre alt und kommt zu Hause nicht mehr zurecht. Sie leidet an Demenz und ist nicht mehr in der Lage, sich angemessen zu ernähren, den Haushalt zu führen und Arzttermine wahrzunehmen. Sie werden vom Betreuungsgericht in den Aufgabenkreisen Vermögenssorge, Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmungsrecht und Wohnungsangelegenheiten sowie Anhalten und Öffnen der Post bestellt. Welche Maßnahmen werden sie nach der Bestellung durchführen?

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten beim Weinsberger Forum

Das Weinsberger Forum vermittelt in dem Grundlagenkurs für Neueinsteiger – Intensivlehrgang „Betreuung Erwachsener“ (Modul 1) das Grundlagenwissen, das zur Führung von Berufsbetreuungen erforderlich ist. Nach Absolvierung dieses Kurses erhalten die Teilnehmer eine Teilnahmebestätigung, mit der sie sich bei der Betreuungsbehörde förmlich bewerben können. Die Teilnehmer sind dann auch in der Lage, die üblichen Fragen der Betreuungsbehörden in den Bewerbungsgesprächen kompetent zu beantworten.

Von jedem Berufsbetreuer wird eine immer währende Fortbildungsbereitschaft erwartet. Manche Betreuungsbehörden verlangen sogar von den Berufsbetreuern, dass sie jährlich die Absolvierung einer Fortbildung nachweisen (Fortbildung / Weiterbildung für Berufsbetreuer).

Der Berufsbetreuer bewegt sich täglich im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmungsrecht des Betreuten und der Fürsorgepflicht der Gesellschaft bzw. des Staates. Der Betreuer hat im Einzelfall zu entscheiden, ob er seinen Betreuten gegen dessen Willen z.B. psychiatrisch wegen Eigengefährdung unterbringt oder weiter zuwartet. Eine Unterbringung gegen den Willen des Betreuten ist ein erheblicher Eingriff in die Freiheitsphäre des Betreuten. Ein sauberes rechtstaatliches Verfahren ist hier einzuhalten. Der angehende Berufsbetreuer muss in diesem Verfahren seine Aufgaben, Rechte und Pflichten unbedingt kennen. Auch muss er die erforderlichen betreuungsgerichtlichen Anträge stellen können.

Da der Berufsbetreuer ganz überwiegend schwierige Betreuungsfälle übernimmt, hat er sich auch mit den einschlägigen Krankheitsbildern vertraut zu machen. Um mit den Gerichten, Kliniken, Ärzten, Pflegeheimen usw. kommunizieren zu können, ist ein solides Grundlagenwissen im Bereich Psychiatrie/Psychologie erforderlich.

In dem Grundlagenkurs Intensivlehrgang „Betreuung Erwachsener“ wird das Verfahren im Betreuungsrecht sowie die einschlägigen Rechtsgrundlagen des materiellen Betreuungsrechts behandelt. Dazu gehören insbesondere die einschlägigen Vorschriften zu freiheitsentziehenden Maßnahmen und Unterbringungen. An einem Seminartag werden die einzelnen Krankheitsbilder gemäß dem ICD-10 von einem fachkundigen Psychiater dargestellt. Am letzten Tag des Lehrgangs wird der Stoff anhand von Fallbeispielen von einem Praktiker wiederholt. Außerdem werden praktische Fragen zur Büroorganisation, EDV, Berufshaftpflichtversicherung, Umgang mit Banken, Checklisten usw. behandelt.

Aufbauend auf diesem Grundlagenkurs bietet das Weinsberger Forum weitere drei Modulkurse an. Diese Kurse können auch einzeln als Tagesveranstaltungen gebucht werden.

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