Sie erreichen uns
Mo. bis Do. von 9.00 bis 12.00 Uhr
und von 14.00 bis 17.00 Uhr
Fr. 9.00 bis 12.00 Uhr
Seminare Recht & Kommunikation - praxisnah, fundiert, wegweisend

Kinderschutzfachkraft § 8a SGB VIII: Allgemeine Informationen

Kontrollfunktion ausgeweitet

Fachkraft Kindeswohlgefährung nach §8a SGB III

Der Schutzauftrag gemäß § 8a SGB VIII bei Kindeswohlgefährdung wurde nunmehr auch auf die Träger der freien und öffentlichen Jugendhilfe ausgeweitet. Früher ging man davon aus, dass die Träger von Einrichtungen und Diensten pädagogische und soziale Aufgaben zu erfüllen haben.  Die Kontrollfunktion bei Kindeswohlgefährdungen oblag den Jugendämtern. Diese Trennung gilt nunmehr nicht mehr. Der Gesetzgeber verspricht sich mit der Ausweitung des Schutzauftrags auf die Träger der Jugendhilfe eine bessere Früherkennung bezüglich gefährdeter Kinder und Jugendlicher.

§ 8a SGB VIII kein Meldeparagraph

§ 8a SGB VIII ist jedoch kein Meldeparagraph. Ganz im Gegenteil. Die Mitarbeiter in den Einrichtungen der Jugendhilfe sollen intern ein Frühwarnsystem entwickeln. Bei entsprechenden Anhaltspunkten müssen umgehend entsprechende Maßnahmen besprochen   und eingeleitet werden. Jede Einrichtung ist bestrebt, den Erziehungsauftrag im einvernehmlichen Zusammenhang mit den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten zu erfüllen.  Sobald Eltern mit dem Vorwurf einer Kindeswohlgefährdung konfrontiert werden, ist jede weitere Kooperation und Zusammenarbeit oftmals blockiert oder -oft zu Lasten des betroffenen Kindes- erheblich erschwert. Fingerspitzengefühl, Einfühlungsvermögen, kurz : eine hohe Sozialkompetenz werden den betroffenen Erziehern, Sozialpädagogen und sonstigen Mitarbeitern abverlangt.

Fachkräfte in Einrichtungen: Ausweitung auf fast alle Mitarbeiter

Der Gesetzgeber hat den Schutzauftrag gemäß § 8a Absatz 2 SGB VIII praktisch auf alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind, ausgeweitet(„deren Fachkräfte“-§ 8a Abs.2 Satz 1 SGB VIII). Nur ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fallen wohl nicht darunter. Grundsätzlich gilt, dass jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, in der Lage sein muss, Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung zu erkennen. Anhand von Symptomen muss die Fachkraft (z.B. die Erzieherin im Kindergarten) erkennen, ob gegebenenfalls eine körperliche, seelische oder sexuelle Misshandlung  vorliegt. Oder-was noch viel schwieriger ist- ob eine schwere psychische Vernachlässigung gegeben ist.

Pflicht der Träger zur Schulung der Mitarbeiter

Die Träger der Einrichtungen sind verpflichtet, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen entsprechend zu schulen (siehe auch: Fortbildung zur Kinderschutzfachkraft). Neben der psychologischen Symptomatologie von Gefährdungstatbeständen sind auch rechtliche Grundkenntnisse erforderlich. Was ist zu tun? Darf ich als Erzieherin selbst ermitteln, wenn von Dritten Hinweise eingehen? Wie ist das Verfahren innerhalb der Einrichtung vereinbart?

Probleme unterhalb des § 8a in der Einrichtung lösen

Bestehen noch keine gewichtigen Anhaltspunkte einer Kindeswohlgefährdung, wird sich die pädagogische Fachkraft mit ihrer Kollegin, Gruppenleiterin, Leiter der Einrichtung usw. in Verbindung setzen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wenn das Gespräch mit den betroffenen Eltern oder Erziehungsberechtigten zu Maßnahmen führt, welche nachhaltig Abhilfe schafft, brauchen keine weiteren Maßnahmen nach § 8a SGB VIII eingeleitet werden. Es braucht keine weitere Fachkraft hinzugezogen werden, eine Meldung beim Jugendamt erübrigt sich.Das wünscht sich jede Einrichtung!

Im Ernstfall muss ein Mitarbeiter der Einrichtung das Verfahren nach §8a SGB VIII kennen

Gleichwohl muss in jeder Einrichtung zumindest ein Mitarbeiter auch rechtlich mit dem Verfahren gemäß § 8a SGB VIII vollständig vertraut sein.  Im Team wird die Einrichtung entscheiden, ob eine weitere Fachkraft bei gewichtigen Anhaltspunkten einer Kindeswohlgefährdung hinzugezogen wird.
Diese „insoweit erfahrene Fachkraft“ (§ 8a Absatz 2 Satz 1 SGB VIII) wird dann über weitere Maßnahmen und Hilfepläne beratend mitwirken.

Vereinbarungen zwischen dem Jugendamt und den Trägern

In Vereinbarungen zwischen den Jugendämtern und den freien und öffentlichen Trägern wird festgelegt, wer diese erfahrene Fachkraft ist. Sie kann von den Trägern intern bestimmt und entsprechend qualifiziert werden. Sie kann aber auch vom ASD der Jugendämter kommen. Letzteres dürfte derzeit der Regelfall sein. Den Trägern der Kinder- und Jugendhilfe wäre es aber lieber, wenn diese erfahrene Fachkraft mehr Distanz zu den Jugendämtern hätte und von außerhalb der Jugendämter kommen würde.

Umsetzung der Vorschriften im Binnenbereich der Träger

Die Vorschriften des § 8 SGB VIII sind also zunächst im Binnenbereich des Trägers umzusetzen. Jeder Mitarbeiter soll über ein Basiswissen bezüglich der symptomatischen Früherkennung, dem Verfahren und der Zuständigkeiten geschult werden. Auch hinsichtlich Dokumentation und der Kenntnis der Meldekette, die vor Ort mit den Jugendämtern besprochen und vereinbart wurde. Auch sollte jeder Mitarbeiter, mindestens aber der Leiter der Einrichtung mit  zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen im Falle des Unterlassens von Maßnahmen vertraut sein.
Neue Mitarbeiter sind jeweils auf den Schutzauftrag der Einrichtung hinzuweisen, möglichst schriftlich.

Anforderungen an die „erfahrene Fachkraft“

Die „insoweit erfahrene Fachkraft“ nach § 8a Abs. 2 Satz 1 SBG VIII sollte über pädagogisch -psychologische Kenntnisse und Erfahrungen verfügen und sich rechtlich mit dem Verfahren gemäß § 8a SGB VIII gründlich vertraut gemacht haben. Darüber hinaus sind überdurchschnittlich hohe kommunikative Fähigkeiten erforderlich. Eine hohe Sozialkompetenz ist in diesem sensiblen Bereich ganz entscheidend. Die erfahrene Fachkraft soll sich das einschlägige Wissen im Zusammenhang mit § 8a SGB VIII in entsprechenden  Lehrgängen aneignen.  Eine besondere berufliche Qualifikation ,z.B. als Jurist, Psychologe, Sozialpädagoge …, wird nicht vorausgesetzt.

Gesamtverantwortung der Jugendämter

Die Gesamtverantwortung haben nach wie vor die Jugendämter zu tragen. Die Aufgabe des öffentlichen Trägers der Kinder- und Jugendhilfe ist primär, darauf hinzuwirken, dass der Schutzauftrag entsprechend sicher gestellt ist (§ 79 SGB VIII).
Die Mitarbeiter der Jugendämter müssen entsprechend umfassend geschult werden, insbesondere im rechtlichen Bereich. Ihnen obliegt es auch im Einzelfall die Träger kompetent fachlich und rechtlich zu beraten.

Rahmenvereinbarungen mit dem Ziel eines effizienten Frühwarnsystem

Rahmenvereinbarungen zwischen den Trägern und Jugendämtern sollten im Hinblick auf den Aufbau eines effizienten sozialen Frühwarnsystems hin ausgerichtet werden. In diesen Vereinbarungen sollten verbindliche Regeln und präzise Arbeitsprogramme formuliert und vereinbart werden.

Wenn das Frühwarnsystem funktioniert, nehmen die Träger den Schutzauftrag im Rahmen ihrer fachlichen Eigenständigkeit (§ 4 SGB VIII) und auf der Grundlage einer eigenen Risikoeinschätzung wahr. Dabei kommt der Kommunikationsebene, den Gesprächen mit den Eltern und Sorgeberechtigten eine bedeutende Rolle zu.
Durch Zusammenwirken in der Einrichtung, durch kollegiale Beratung sollen beim Träger überzogene Reaktionen Einzelner vermieden beziehungsweise besser kontrolliert werden.

Unsere Seminare für Neueinsteiger